Prüfung, Dokumentation, Lagerung & Entsorgung

Einleitung

  • Grundlage der Prüfung ist § 11 der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) – Ausgangsstoffe: Qualität der zur Herstellung von Arzneimitteln verwendeten Ausgangsstoffe muss festgestellt sein.
  • Unter „Herstellung“ fällt auch das Um- bzw. Abfüllen, das Abpacken, das Kennzeichnen und die Freigabe ansonsten unveränderter Stoffe (§ 4 Abs. 14 AMG).
  • Die Qualität eines Ausgangsstoffs umfasst: Identität, Gehalt, Reinheit und die chemischen, physikalischen & biologischen Eigenschaften.
  • Die Apotheke hat stets eine Identitätsprüfung durchzuführen, die übrigen Prüfungen können durch ein entsprechendes Prüfzertifikat des Ausgangsstoffherstellers belegt werden.

Checkliste – Prüfzertifikat vom Inverkehrbringer

  • Angewandtes Prüfverfahren
  • Chargenbezeichnung/Herstellungsdatum
  • Inverkehrbringer
  • Akzeptanzkriterien: Prüfergebnisse und Angabe der erforderlichen Qualität
  • Akzeptanzkriterien: Prüfergebnisse und Angabe der erforderlichen Qualität
  • Prüfdatum
  • Name und Position der verantwortlichen Person
  • von autorisierten Institution ausgestellt

Identitätsprüfungsmethoden in der Apotheke

  • Bei mehreren Behältnissen einer Charge (z. B. 20 g verteilt auf in vier 5-g-Behältnisse) muss grds. jedes Behältnis überprüft werden, da sich Etikettierungs- oder Abpackfehler nur so mit hinreichender Sicherheit entdecken lassen. Sprechen Sie hierzu mit Ihrer Aufsichtsbehörde.
  • Ausnahme § 6 ApBetrO – alternative Prüfmethoden: Ist ein Ausgangsstoff nicht im Arzneibuch monographiert oder vorgesehene Identitätsprüfungen im Apothekenlabor nicht durchführbar (z.B. wegen eines zu hohen apparativen Aufwands oder unverhältnismäßig hoher Kosten), können Methoden und Geräte eingesetzt werden, die nicht im Arzneibuch beschrieben sind – vorausgesetzt, dass damit vergleichbare Ergebnisse erzielt werden.
  • Ist für den zu prüfenden Ausgangsstoff eine Monographie im Europäischen, Deutschen oder Homöopathischen Arzneibuch existent, haben diese Prüfvorschriften ausnahmslos Vorrang.
  • Derzeit weder für Dronabinol noch für Cannabisblütenextrakte existent.
  • Für Cannabisblüten: DAB-Monographie „Cannabisblüten – Cannabis flos“ (s.u. als PDF-Download)
  • Vorgesehen sind eine makroskopische und eine mikroskopische Prüfung sowie eine Dünnschichtchromatografie (DC) (Punkte A-C).
  • Die Extraktion der Cannabinoide erfolgt dabei im Ultraschallbad. 
  • Im Farbteil des DAC/ NRF gibt es hierzu farbige Abbildungen zur makroskopischen Prüfung der Droge und zu den unterschiedlich gefärbten Zonen der DC, die zur Begutachtung herangezogen werden können.

  • Schwierigkeiten: Zum einen sind die für eine DC erforderlichen Referenzsubstanzen sehr teuer und zum anderen sind sie oftmals nicht verfügbar oder es braucht zumindest zur Zeit noch sehr lange, bis diese in der Apotheke eintreffen.
  • Daraus resultierendes Problem für Patient und Apotheker: Grds. muss innerhalb der kurzen Gültigkeitsfrist eines BtM-Rezepts die Prüfung abgegeben werden
  • Hinweis! Stimmen Sie mit dem Verordner vorab ab, ob die 0,1 Gramm für den Test auf dem Rezept aufgeführt werden.
  • Ggfs.: Bei 5 g Verordnung folgenden Vermerk auf Rezept (2fach bei Apotheker, 1fach bei Arzt): „Abgabe von 4,9 Gramm nach ärztlicher Rücksprache“. 
  • Monografie_Cannabisblueten
  • DAC-Dronabinol
    • Möglichkeit 1: Infrarotspektroskopie (IR-Spektroskopie) Vergleich des Prüfspektrums mit bekannten Dronabinol-Spektren
      • IR Spektroskopien
        • Verfahren 1:
            • geringe Menge Dronabinol in Eppendorf-Hütchen geben
            • mit Ethanol + gereinigtem Wasser auf ein Gesamtvolumen von 1 ml auffüllen
            • Mehrmals schütteln
            • Teststick (Dronabinol-Schnelltest) eintauchen
            • nach 5 Minuten die Farbreaktion beurteilen. 
            • einschlägige Farbreaktion + ausgefülltes Herstellungsprotokoll (liegt bei) = Nachweis der Identität. 

          • Verfahren 2:
            • Eppendorf-Hütchen (inkl. alkoholische Reagenzlösung) 
            • geringe Menge erwärmtes Dronabinol hinzufügen
            • mit gereinigtem Wasser versetzen. (milchig-trüb)
            • Testlösung auf Testkassette (ID-Tester) tropfen
            • rote Linie im markierten Kontrollbereich (3-10 Min Ablesefenster)
            • einschlägige Farbreaktion + ausgefülltes Herstellungsprotokoll (liegt bei) = Nachweis der Identität.  
      • Möglichkeit 2: Dünnschichtchromatografiebandförmige Auftragung von Prüf- und Referenzlösung sowie Farbreaktion (Buchstaben B und C)
      • Möglichkeit 3: Alternativverfahren des DAC zur Identifizierung von Ausgangsstoffen
Auftragung der Lösungen punktförmig
    • makroskopische Prüfung oder
    • Dünnschichtchromatografie (6 cm)
    • gepulverte Droge vor Extraktion 2 Stunden im Trockenschrank erhitzen. 
    • Hilfestellung bei makroskopischer Prüfung: Abbildungen im Farbteil des DAC.

    gem. § 6 ApBetrO: wenn vorgesehene Identitätsprüfungen im Apothekenlabor nicht durchführbar (z.B. wegen eines zu hohen apparativen Aufwands oder unverhältnismäßig hoher Kosten)

    • Schnelltests für Drogenscreening bei Cannabisblüten:
      • Zur Erbringung des Nachweises grundsätzlich geeignet
      • Nur 20 bis 30 Milligramm für Test benötigt
      • Hinweis: Seitens der verschiedenen Behörden in einem Bundesland und auch zwischen Bundesländern bestehen z. T. Unterschiede bei der Bewertung dieses Verfahrens.

    Tipp: Halten Sie diesbezüglich Rücksprache mit ihrer Aufsichtsbehörde.

    Dokumentation

    • Die Bestandsdokumentation der Cannabisblüten erfolgt nach Sortennamen getrennt.
    • Begrenzte, festgelegte Verlustmengen bei der Rezepturherstellung können in der BtM-Kartei als separater Eintrag dokumentiert werden (bspw. DAB-Monographie 0,1 Gramm, führt ggfs. zu einer Korrektur des Rezepts I-III)
    • Entnahme mit „analytischer Prüfung“ vermerken.
    • Vergleichen Sie des Weiteren die §§ 13 und 14 BtMVV.

    Lagerung

    Cannabisblüten und -extrakte erfordern eine angemessenen Lagerung beim Apotheker die zur Sicherheit und Haltbarkeit beiträgt:

    1. Nach § 15 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) hat jeder Teilnehmer am Betäubungsmittelverkehr die in seinem Besitz befindlichen Betäubungsmittel gesondert aufzubewahren und gegen unbefugte Entnahme zu sichern.
    2. Für die optimale Lagerbarkeit werden die Cannabisblüten und -extrakte vor Licht geschützt und luftdicht verschlossen bei einer Temperatur von max. 25° C. aufbewahrt.

    Entsorgung

    Überreste aus der Cannabisblüten-Prüfung sowie nicht mehr verkehrsfähige Blüten und Extrakte erfordern eine sachgerechte Vernichtung:

    1. Zerkleinerte Blüten mit Kaffeepulverresten, Teeresten, oder Katzenstreu vermengen und in neutralem Papier eingepackt kurz vor der Abholung in den Restmüll geben.
    2. Alternativ/Zusätzlich kann man die zerkleinerten Blüten mit einer angemessenen Menge Schwefelsäure vermengen und die dabei entstehenden Reste in einer Windel kurz vor der Abholung zum Restmüll geben.
    3. Punkt 1. trifft auch auf Extrakte zu, alternativ ist das Extrakt in saugfähiges Material wie z.B. Windeln zu geben. Diese können auch dem Restmüll kurz vor der Abholung beigefügt werden. Für weiteren Schutz vor etwaigem Missbrauch kann das vorherige Vermengen mit heißem Wasser in einer Schüssel sorgen.

    Wenn Fragen aufkommen, helfen wir gerne weiter.

    Für Fragen, Bestellungen oder andere Wünsche in Bezug auf unseren medizinischen Produktkatalog wenden Sie sich gerne an unseren Verkaufsleiter Raoul van de Loo.