Anwendungsbeispiele

Medizinisches Cannabis wird derzeit u. a. angewandt bei:

die vom peripheren und zentralen Nervensystem ausgehen

Der wohl häufigste Grund bei Ärzt:innen, medizinisches Cannabis einzusetzen, ist Schmerz. Da Cannabinoide nicht bei jeder Form von Schmerz gleich wirken, finden sie am häufigsten bei der Behandlung chronischer neuropathischer Schmerzen therapeutische Verwendung. Neuropathische Schmerzen werden durch eine Läsion oder eine Dysfunktion des Nervensystems (bspw. beschädigte Nerven, Phantomschmerz und Gesichtsneuralgie) verursacht. Sie werden in der Regel als anfallsartige, einschießende, starke Schmerzen häufig als brennend, stechend oder auch dumpf beschrieben. In Deutschland sind 6% der Bevölkerung von neuropathischen Schmerzen betroffen, wobei diese derzeit hauptsächlich mit Opioiden, Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Topika therapiert werden.

z. B. infolge einer Chemotherapie oder HIV-Behandlung

Patient:innen, die infolge einer Chemo- und Strahlentherapie, einer Hepatitis C oder HIV/AIDS Behandlung an Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit leiden, werden inzwischen auch begleitend mit cannabinoidbasierten Arzneimittel versorgt. Der appetitanregende Effekt von Cannabinoiden kann für Patient:innen, die an Appetitlosigkeit leiden, bedeuten, dass sie sich wieder größere Mengen an Kalorien zuführen können. Besondere Bedeutung hat die erhöhte Zufuhr von Kalorien und Nährstoffen u. a. auch bei der Behandlung von Kachexie. Der simultane Effekt von Cannabinoiden auf Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit birgt ein großes Potential zur Steigerung der Lebensqualität von Patient:innen.

und damit einhergehende Schlaflosigkeit

Multiple Sklerose (MS) ist neben chronischen Schmerzen eines der häufigsten Anwendungsgebiete für eine Therapie mit Cannabinoiden. Bisherige Forschungsergebnisse geben erste Einblicke in die genaue Wirkweise von Cannabinoiden in der MS-Behandlung. Anzeichen deuten darauf hin, dass Patient:innen keine oder nur eine geringe Toleranz gegen die medizinische Wirksamkeit von Cannabinoiden entwickeln und daher im Verlauf der Therapie die Dosis nicht signifikant erhöhen müssen, um gleichbleibende therapeutischen Ergebnisse zu erzielen. In Folge dessen könnten Patient:innen auch dauerhaft von der spastikreduzierenden und schlaffördernden Wirkung von Cannabinoiden profitieren.

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